Grenzerfahrungen

 Ahoi Freunde

wir sind gerade in Copacabana und umgeben von der Natur Boliviens. Hier oben auf 3800m haben wir eine unendlich weite Sicht auf den Titikakasee. Für uns Wasserratten ist das total erholsam und das beklemmende Gefühl, was wir vor allem in Sucre hatten, ist gerade wie weggepustet.

Wir buchten unsere Busfahrt, wie in Thailand schon online und hatten wieder eine ziemlich lange Fahrt vor uns. Das Gebiet in Argentiniens Norden ist wunderschön: farbenprächtige Gebirge, dahinter weiße Bergketten. In den kleinen Orten sieht man am meisten die Cholita-Frauen und die Aymara-Frauen. Sie sind traditionell gekleidet und haben unter ihren Hüten schwarze lange Haare, geflochten zu 2 Zöpfen. Man sieht sie meist auf den Straßen sitzend, in allen Altersgruppen und Dinge verkaufen, vor allem dann später in La Paz.

Wir fuhren also von Salta nach Sucre (24 Std.) mit einem Umstieg in eine schräge Busfahrt im befremdlichen Grenzort Villazon, in dem wir 6 Stunden festsaßen bis der nächste Bus fuhr. Auch hier war der Carneval in vollem Gange. Es war voll, laut und es gab keine anderen Backpacker ausser uns, weitundbreit. Um 20 Uhr ging es dann endlich los. Eine neue Erfahrung: Im Bus sitzend, mit verschlossenen Fenstern und einer verschlossenen Tür zum Busfahrer. Zudem waren die Fensterscheiben beschlagen und das Kondenswasser  lief in langen Bahnen über die Scheiben.

Silvio und ich waren also eingesperrt mit den Einheimischen. Kurze Zeit später wurden wir dann noch mit lauter Musik beschallt. Die Monitore gingen an und dort lief so ein verrückter Street-Comedy-Sender, wo die Menschen versuchen zu singen und die Moderatoren ständig kreischen und übertrieben lachen. Das ganze stark übertönt. Nach 3 h klopfte Silvio an der Tür zum Fahrer und bat ihn das Gekreische auszumachen, damit wir schlafen können. Kurz darauf wurde es ausgestellt, und das komplette Licht auch. Zwischendurch kamen dann mehrfach Grenzkontrollen und eine Taschenlampe fuchtelte durch die Kabine. Und als dann noch ein Einheimischer anfing sich mit dem Soldaten zu streiten, dachte Silvio: „Das wars, hier und jetzt. Du willst eigentlich nur noch raus aus dieser unwirklichen Blase“. Er setzte sich irgendwann Nachts, als ihn die Geduld und Luft zum Atmen verließ, einfach nach vorne ins Cockpit zum Busfahrer. Die Verständigung verlief über Hände und Füße. Der Ersatzfahrer war zum Schlafen unten zwischen den Koffern. Aber…man muss den Leuten halt vertrauen.

Wir erreichten 6 Uhr früh und völlig im Eimer Sucre, eine wunderschöne weiße Stadt, Kolonialbauten, sehr spanisch. Wir durften direkt einchecken und schliefen uns aus.

Hier in Bolivien gab es dann noch eine Sache, auf die wir wenig vorbereitet waren und die uns überraschte, sowie der plötzliche Wunsch einfach alles abzubrechen oder die Route zu ändern: Die Höhenkrankheit. Das miese Gefühl das Silvio schon in Villazòn überkam, wollte ihn nicht mehr loslassen. Seitdem gibt es kein Alkohol mehr, denn das verstärkt es nur.

Unwohlsein, ständiges Angstgefühl und Beklemmungen,
wie in einer Blase zu sein.

Auch in Sucre beherrschte der Carnaval den Alltag, sodass es z.T. schwierig war die Stadt zu erkunden, ohne mit weißem Schaum besprüht oder mit Wasserbomben beworfen zu werden.
Wir lernten in unserem Hotel u.a. ein sehr nettes deutsches Pärchen kennen, zufälligerweise aus Hamburg, die ähnliche Erfahrungen mit der Höhenkrankheit machten und genervt waren vom ausschweifenden Carnaval. Wir tauschten uns viel aus, kamen auf andere Gedanken. Auch lernten wir eine Spanierin kennen, die uns Kokablätter gab, nachdem wir ihr von Silvios Problem erzählten. Hier kaut beinahe jeder Einheimische dieses Zeug, und auch viele Höhenkranke schwören darauf. Schmeckt etwas bitter, man kann es auch als Tee trinken. Und das Beste: Es half tatsächlich.

So kam es, dass wir entschieden unsere Route weiter zu verfolgen und buchten uns einen Flug nach La Paz. Von Busfahrten hatten wir erstmal genug  😉

 

4 Kommentare

  1. Karsten sagt: Antworten

    Toller Artikel! Zum Mitfühlen.

    1. Hi K, schön, dass dir der Artikel gefällt. Ja, es passieren schon so Sachen, an die man nie gedacht hätte. Entweder man versteht dann Spass oder man muss irgendwie weg 😉
      Liebe Grüße!!

  2. Huhuh,
    Wir haben uns fast ein wenig verlassen gefühlt als ihr abgereist seid. Plötzlich war fast keiner mehr da ?
    Uns haben die Koka-Blätter leider in Uyuni auch als Dauergast in der Backentasche nicht mehr helfen können. Aber nun alles gut.
    Grüße aus La Paz
    Jannis und Sabrina

    1. Hej Sabrina, ja also ich hoff bei euch läufts ganz gut! Wir waren im wunderschönen Cusco und sind gerade in MachuPicchu angekommen. Danach gehts so schnell wie möglich runter nach Lima. Soviel dazu 😉
      Viele liebe Grüße!

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