Noch kurz nach Kolumbien

Nachdem wir aus Lima „geflüchtet“ waren, kamen wir in Bogota an. In Calendaria, der Altstadt, war ich auf Anhieb begeistert von dem typisch südamerikanischen Flair, der schon ein bisschen ins Kubanische geht. Die Häuser sind bunt angemalt, die Kirchen sind groß und innen kitschig, der Marktplatz geschichtsträchtig, das Opernhaus massiv. Dewseiteren prägen Museen, Unis, große Bibliotheken und Restaraunts mit sehr stilsicherem Interieurdesign die Altstadt. Man spürt aber, dass hier eine blutige Geschichte stattgefunden hat, die nicht lang her ist, denn Soldaten stehen vollbewaffnet an den Straßenecken und beäugen dich. Viele Menschen sehen modern und gebildet aus. Andere sind arm… Es mischen sich also Bettler, Straßenmusiker, Künstler, Beamte und Studenten zusammen. Hier und da gibt es jemanden, der schräge Flötenmusik macht, aber einen gewissen Beat hat, zu dem man nach kurzer Zeit unabsichtlich anfängt zu wippen. Es ist auch ok, wenn du mitsingst.

Irgendwas Frohes und Optimistisches strahlt dieser Ort aus. Liegt es daran, dass die miesen Guerillazeiten vorbei scheinen? Liegt hier ein Mix aus Erleichterung und Dankbarkeit in der Luft? Oder hat es einfach vor kurzem erst einen insgesamten Neuanstrich gegeben? Die Stimmung fühlt sich hier an, wie kurz vor einer großen Party.

Nicht zu vergleichen mit der stummen, leicht verbitterten Atmosphäre, die einen in Deutschland manchmal umgibt. Diese langweilige und einfallslose Tristesse.. und man bekommt wieder Lust auf eine Revolution alles durcheinanderzubringen, wenn man wiederkommt. Statt Gehwagen einen starken Mann, statt trauriger Realität im Arbeitsamt eine dicke Sahnetorte mit Schnaps hinterher, die Backsteinfassade, blau übergemalt… haha! Ich bin so ein Hippie!

Wir wollten gern die letzten beiden Tage in ein schönes teures Hotel gehen mit Pool oder so, zum ausspannen.

 

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Aber dann lernten ein paar Deutsche im Hostel kennen, die uns von Kaffeeplantagen erzählten, nicht allzeit von Bogotá entfernt. Die „Coffeeregion“ von Kolumbien ist im Prinzip ein Dreieck, zwischen bestimmten Kaffeestädchen, auch als Triangel bezeichnet, etwas tiefer als Bogota gelegen, auf etwa 1200 m. Hier ist das Klima perfekt für den Anbau von Kaffee und allen möglichen anderen Pflanzen. Alles, was man tun muss, um dahin zu gelangen, ist eine 8 h Fahrt über die Anden.

Nach hinundherüberlegen, nicht zuletzt weil die Straßen Kolumbiens immer noch als gefährlich gelten, buchten wir uns trotzdem ein Auto, aber mit zusätzlicher Vollkasko Versicherung. Nach dem Motto „Auf in ein letztes Abenteuer“ fuhren wir also in dem wahnsinnig dreckigen und chaotischen Bogotá Stadtverkehr in die Anden. Leider schlängelten sich LKW an LKW auf der Serpentinenstraße am Berg entlang und verbreiteten ihre ungezügelten Abgase. Zwischen dem schwarzen Dampf erkannten wir aber eine wunderschöne fruchtbare Natur, wir sahen z.B. einen Regenbogen unter uns im Tal.. wer weiß was da alles wächst…

Irgendwann kamen wir dann an in Buenavista und uns empfingen auch sogleich quitschbunte Vögelchen. Ein kleines Kaffeedorf, ein wunderbarer Flecken Erde. Von hier startete am nächsten Morgen unsere Kaffeetour völlig, für uns ganz alleine mit unserer Housekeeperin Nadia als Guide. Wir wissen nun, was echt guter Kaffee ist. =) Angefangen im Kaffeedorf, wo einige Shops sind über eine Jeepfahrt mitten in die Plantagen bis zum Essen und Begleiten des Alltags auf der Kaffeefarm von Leo.  Hier ist der Link, der das möglich macht. Interessant, die Kolumbianer selbst trinken garnicht dieses gute Zeug sondern den Abfall. Schlechte Bohnen.

Doof war, dass ich mir eine Erkältung im kalten Bogotá zugezogen hatte und wir ein bisschen schneller machen mussten mit der ganzen Tour.

Schließlich fuhren wir am nächsten Morgen zurück, es lief alles glatt! Wir gaben das Auto ab und los gings direkt zum Flughafen. Für uns war es wieder nur das Gefühl zur nächsten Reise aufzubrechen. Aber, es ging nach Hause! Endlich Freunde und Familie wiedersehen, deutsches Essen schlingen, deutsche Luft atmen.

Die Kaffeestory

 

 

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