Prüfungszeit

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich bereits mit Anne im Bus nach Chiang Rai, unserer nächstes Ziel. Anne scheint zu schlafen. Ich dagegen kann nicht schlafen, ich lasse die letzten 5 Tage in meinem Kopf Revue passieren. Zeit um einen neuen Beitrag zu verfassen, das Erlebte zu verarbeiten und euch einen kurzen Moment mit auf ein kleines Abenteuer einzuladen.

Chiang Mai, eine kleine „Großstadt“, die mit rund 135.700 Einwohnern am Fusse des Pui National Park liegt. Es ist ein kleines Spa-Paradies, das zum Leben erweckt wird durch seine freundlichen und hilfsbereiten Menschen (die auch immer wieder gerne sagen: „Welcome to Thailand“), die historischen Tempelanlagen, dem modischen Lebensstil der jungen Leute, der Backpacker-Szene, seine Kneipen- und vielseitige Musikszene, sowie seiner Natur in der Umgebung.

Wie in vielen alten Städten, besitzt Chiang Mai auch einen Altstadtkern. Ähnlich unseren hanseatischen Städten. Dieser Altstadtkern ist allerdings ein richtiges Quadrat, das von einem kleinen künstlich angelegten Wasserkanal umsäumt wird. Und genau in diesem Altstadtkern waren Anne und ich untergekommen, bei einem sehr sehr netten jungen Paar, die auf Ihrem Hinterhof ein paar Zimmer vermieteten.

Es gibt viel zu entdecken in der Region Chiang Mai. Hier entschieden wir uns für einen Roller, der umgerechnet 3,75 Euro pro Tag kostete. Somit waren wir sehr flexibel in unseren Erkundungen. Es war spannend und lustig zugleich, denn wir sind das Erste mal links gefahren und das noch in Asien, wo so ziemlich gar keine Verkehrsregeln herrschen, bis auf auf die Tatsache, dass man immer links fahren sollte, zumindest erspart man sich damit böse Überraschungen. Anfangs waren wir vorsichtig, aber wir haben schnell gemerkt, dass wir mit unserem deutschen Verständnis von Verkehrsregeln schnell im Graben, oder in Opas selbstgebauter „Reis-Stube“ auf drei Rädern, reinkrachen würden. Im schlimmsten Fall würde man von einem Laster im Straßenteer verewigt. Aaaalso, einfach drauf los, es klappt schon…, irgendwie.
Und dann ging es einfach so über.

Die Kunst besteht darin: „Finde immer eine Lücke!“ Das kann auch schon mal im Quetschen enden. Unser Roller war schnell, viel zu schnell für meine Standard-Führerschein Klasse. 100 km und eine Menge PS. Somit konnten wir auch teils die Thais auf Ihren Drahteseln abhängen, in engen Wegen überholen und schnell von A nach B kommen. Konzentrationstechnisch ist man aber am Ende des Tages  etwas ausgelaugt. Da hilft in der Regel nur noch ein schönes kaltes Bier, oder auch drei. Den Roller hatten wir 3 Tage. macht im Schnitt 9 Bier 😉

Aber es gibt keine bessere Lösung auf eigene Faust Dinge zu erkunden, zumal auch recht viel Stau auf den Strassen ist, zumindest zur Rush-Hour. Hoch auf dem Berg, dem Wat Phra That Doi Suthep, einer buddhistischen Tempelanlage, konnten wir einen tollen Ausblick geniessen; und nicht nur das, es herrscht dort oben auch Thailändisches Dschungelleben. Hier kann man eine Menge Wasserfälle bestaunen. Man muss etwas Mut Am Anfang haben. Die Skepsis ist natürlich begründet, da man es einfach noch nicht kennt. Was kennt? – Na zum Beispiel die Spinnenwelt. Als Anne und ich weit in die Berge fuhren, wo kaum noch Touristen waren, entdeckten wir bereits bei unserer Ankunft mit dem Roller ein besonderes Exemplar. Die „Nephila“, eine Radnetz-Spinne, die extrem grosse Netze spinnt, die mehrere Meter betragen können. Ich übertreibe vielleicht manchmal, wenn ich sage: „Die war sooo groß“. Aber diese sind einfach gross, ungiftig und wunderschön (auf Distanz) anzusehen. Wir kamen zu einem Wasserfall, der vor sich eine kleine Badequelle trug. „Okay, was jetzt?“. Also, Wanderschuhe, lange Hose und Hemd aus! Diese Sachen trugen wir, da wir wussten, dass sie uns zumindest vor Zecken schützen würden. Egal. Rein in kühle Nass. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ich ging sofort weiter zum Wasserfall und stellte mich drunter. Die Radnetz-Spinnen im Blick und im Hintergrund das Dröhnen der Zikaden-Grillen. Es klingt wie eine Bohrmaschine und kann tierisch laut werden.

Wie es aber immer so ist, entdeckt man plötzlich eine versteckte Treppe, umgeben von Pflanzen und Geäst. „Wo geht es dort wohl hin?“ Wegen meiner Arachnophobie kam mir nur die Binsenweisheit: „Probieren geht über studieren.“ –Na dann studier mal, Rosenthal!

Das waren keine Wege, das waren höhlenartige Pfade, steil bergauf, in engen Passagen, durch Wassergräben, die so dicht bewaldet waren, das man teils hindurch klettern musste. Anne war schon voraus gegangen. Oben angekommen, ging es auf einem schmalen Stein, der als Brücke diente, über den ersten Wasserfall, den wir nur von unten kannten. Festhalten ging, aber es war rechts bewachsen, eng und man wusste nicht so genau wo man da reingreift. Egal, schließlich geht es links neben einem steil bergab. Hier war wirklich rein gar nichts gesichert, hier war alles so, wie sich die Natur eben entfaltet hat. Auch wieder ein wunderschöner Moment mit gemischten Gefühlen. Schließlich waren wir tief drin und es war ein noch größerer und schönerer Wasserfall in Sicht. Was meine Augen sahen, würde man als Paradies bezeichnen.

Was habe ich für mich aus dem Ganzen mitgenommen: Du kannst deine Ängste und Phobien selten besiegen, aber du kannst versuchen mit Ihnen zu leben, ein Abkommen zu treffen. Tust du das nicht, gehen wohl die schönsten Momente für dein kurzes Leben verloren.

Fazit: Anne und ich sind wirklich angesteckt vom Reisefieber, auch wenn wir wissen, dass die eigentlich gefährlichen und giftigen Tiere in Australien noch auf uns warten.

 

Geschrieben von: Silvio

4 Kommentare

  1. Hallo Ihr Beide,
    das ist schon eine andere Welt, umso schöner für Euch, dies zu erleben, toll!
    Immer schön aufschreiben, das gibt ein super Reisebuch.
    Alles Gute für Euch
    papa

  2. Sabrina sagt: Antworten

    Hallo Ihr Zwei, mit Begeisterung lesen wir euren Reiseblog. Wir stecken in unseren letzten Vorbereitungen für unsere Hochzeitsreise nach Kenia, alles total aufregend und wir freuen uns eine neue Welt kennen zu lernen. Wir wünschen euch weiterhin atemberaubende Eindrücke, bis bald. Rico & Bina

    1. Vielen dank und euch eine schöne Hochzeitsreise 😉

  3. Gaby sagt: Antworten

    Ahh, ihr seid schon unterwegs? Wow! Habs erst heute gefunden, werd mal nachlesen gehen!
    Und die Tierchen hier… gar nicht so schlimm wenn man ein bisschen aufpasst! 😉 Meine Spinnenphobie ist besser geworden!
    Würde mich echt freuen euch hier in der Nähe irgendwo zu treffen! Oder wenn ihr ein Bett braucht… ihr seid herzlich willkommen!

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