Quer durch, hoch und runter

Ursprünglich wollten wir die Ostküste fahren, doch das letzte schwere Beben hat einige Straßen so schwer beschädigt, das diese noch immer teils komplett gesperrt sind. Man muss dann große Umwege fahren und zeitlich etwas besser planen, um Orte wie Kaikoura (bekannt für Whale Watching) noch sehen zu können. Wenn nicht, auch gut, man kann nicht alles sehen, aber wir versuchen es trotzdem immer wieder.

Die Spritpreise sind hier teurer als auf der Nordinsel und der Liter liegt derzeit bei umgerechnet 1,40 Euro für einen Benziner, also ähnlich wie in Deutschland.

Wir fuhren von Nelson Richtung Wesport an die Ostküste und weiter nach Greymouth. Also, plattentektonisch genau auf der Autralischen zur Pazifischen Platte. Von den Platten ist natürlich nix zu sehen, außer das Ergebnis zu deiner Linken. Darüber hinaus kann man die rauhe Seite Neuseelands entdecken. Man sieht hier bereits die ersten Seehunde und hält seine Nase in den frischen Wind der von der Tasman See auf die Küste peitscht. Ein Fernglas ist ein absolutes Muss, um Tiere in ihrem Alltag zu beobachten. Wir haben natürlich keins, aber es ist notiert für die nächste Reise. Also…, quasi nach Südamerika 🙂

Um auf die andere Seite der Südinsel nach Christchurch zu kommen, verließen wir bei Greymouth die Küstenstraße, denn diese nehmen wir später eh auf der unteren Hälfte wieder mit. Die Strecke ist mal wieder traumhaft („Oooch man, schon wieder schön. Langweilig!“) und sofort erfindet sich dieses Land landschaftlich wieder neu. Bekannt ist die Strecke auch für seine wunderschöne Zugverbindung von Greymouth nach Christchurch, oder umgekehrt. Die TranzAlpine Bahn durchquert dieses Land und wir, ja wir sind quasi parallel zu dieser eindrucksvollen Bahnstrecke gefahren. Natürlich durfte ein Zwischenstop nicht fehlen. Diesen legten wir im Arthurs Pass National Park auf einem kostenlosen Campingplatz mit Plumpsklo ein. Uns empfing dann gleich ein Kea, der hiesige Bergpapagei. Arthurs Pass liegt in den Südalpen und legt die Grenze von Westland und Canterbury. Mit seinen 920 m ist er gar nicht so hoch, dafür aber mit zahlreichen Walks gesegnet. Und da waren sie wieder, diese gigantischen Fragezeichen. Welchen Weg sollen wir gehen?

Doch zunächst bauten wir unser Zelt auf, machten Feuer und aßen die Reste vom Vortag. Auch hier versuchen wir immer so gut es geht vorzukochen, z.b. wenn wir eine Küche auf einem richtigen Campingplatz nutzen können, um am nächsten Tag wieder kostenlos stehen und hier und da auch nochmal etwas einsparen zu können.  Rosenthal`sche Formeln, oder so ähnlich 😉

Es war nass und kalt, und wir versammelten uns mit 2 anderen Reisepärchen beim Feuer. Es war ein spanisches und deutsches Pärchen. Wobei der deutsche Typ mehr im Fokus und wirklich lustig war. Er hatte für einen Deutschen einen unglaublich komischen Akzent in seinem Englisch, war aber grammatikalisch tip-top. Zudem prahlte er vor den Spaniern mit dem Fußball-Verein Schalke. Netter Versuch dachte ich, netter Versuch.

Zum Abwaschen fuhren wir in den Ort. Dafür nutzten wir unsere Camper-App und suchten nach öffentlichen Wasserstellen. Diese lag allerdings an einem Restaurant, gefüllt von vollgefutterten Urlaubern, die ihren 50 Dollar Wein bei guter warmer Live-Musik in sich hineinkippten, dabei rote Wangen bekamen und in ihrer eigenen Glückseligkeit schwammen, wie kleine beschwipste Fische. Neidisch? Neeeiiin. Missgunst? Wo denkt hier hin 😉

Man bat uns dann freundlich an einem bezahlpflichtigen Campingplatz Wasser zu nutzen. Dann standen wir nun im kalten Grau-Blau und starrten ins warme Licht des Restaurants. Ach wat is das LEBEN schön.

Wir fuhren zum besagten Campingplatz und wuschen mit kalten Wasser und im Regen unser Geschirr ab. Das gleiche machten wir dann nochmal einen Tag später nach dem Frühstück.

Direkt danach nutzen wir mal wieder unsere Füße und hatten uns entschieden, den „Aicken Track“ zu wandern, der nicht zu unterschätzen ist. Vorbei an wilden und zerzausten Bäumen, verkrüppelten Büschen, einem Wasserfall, weiter über spitze Steinspalten und weiter übers Geröll und rauf auf den Berg. Es zog wie Hechtsuppe an diesem Tag und ich hatte eine neue Frisur, umsonst.

Wir fuhren weiter Richtung Christchurch und bestaunten noch kurz einige Felsen bei Castle Hill in denen sich auch schon Frodo und seine Gefährten versteckten.

Na dann, Gute Nacht.

 

Westküste

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Arthur’s Pass

 

Der Aicken Track
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Castle Hill

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