Von Nord nach Süd, oder wie ich lernte eine Odyssee zu lieben Teil 1.

Die Wochen vergingen im Flug und wir merkten sehr schnell, dass wir ja noch gar nicht im Süden waren. Wenn man reist, ist man überwiegend damit beschäftigt, Busverbindungen, Züge, Hostels etc. rauszusuchen, um daraus letztlich einen Verlauf zu erstellen. Willst du was sehen? Kümmere dich drum! Willst im Hellen an dein nächstes Ziel kommen? Steh um 5 Uhr auf und dann los, bevor es zu spät ist!

Tjaaa, leider läuft das nicht immer so. Manchmal laufen die Dinge eben ganz anders als du sie erwartest hättest. Z.b. wenn der König mal eben stirbt. Seinen Namen sollte man als Westler nicht in den Mund nehmen. So haben wir es zumindest gelernt und paranoid wie ich bin, schreib ich ihn auch nicht 😉 Wenn du in einem Land bist, in dem es ein Anti-Majestätsbeleidigungs-Gesetz gibt, bist du da schon vorsichtiger. Und das bin ich tagtäglich, wirklich. Z.b. an der Kasse im Supermarkt. Nicht auf das Geld treten, sonst tritts du auf den König! Ganz so schlimm ist es aber nicht. Ich erwähne es nur, da ich es tatsächlich mal bei einer Engländerin im Markt gesehen habe. Sie ist im Ganzen und unversehrt aus dem Markt gekommen 😉

Wo war ich? Ach ja, Süden. Der König ist tot und das bedeutet reisetechnisch erstmal nix gutes. Warum? Ganz einfach, weil jeder Thailänder versucht irgendwie nach Bangkok zu kommen, um in den Königlichen Palast zu gelangen und dem König die letzte Ehre erweisen zu können. Und was bedeutete das für uns? Belegte Busplätze, weniger Tickets für Touris? Richtig. Die Priorität für das einheimische Volk war spürbar. Ich persönlich fand es aber auch richtig so. Es ist ja nicht so, dass wir schlecht behandelt wurden, oder wir gar nicht vorankamen. Die Dinge waren halt etwas komplizierter, aber nicht unmöglich, denn wir hatten Zeit (naja fast) und wollten ja reisen. Mein Zitat der letzten Tage war dann immer: Das machen wir alles freiwillig.

Lampang

Von Pai fuhren wir 3 Stunden Serpentin zurück nach Chiang Mai, um unseren Anschluss-Bus nach Lampang zu bekommen. Das Ticket haben wir direkt vor Ort bekommen. Lampang war gar nicht geplant, aber ich sah es auf der Karte und es lag auf dem Weg. Lampang ist die Hauptstadt des Landkreises Mueang Lampang. Nach 1,5 Stunden waren wir auch schon da. Die Bussbahnhöfe liegen meist etwas ausserhalb der Stadt. Ab in das Tuk Tuk, sich noch kurz preislich übers Ohr hauen lassen und los ging es. Wir waren in der Stadt angekommen und holten uns erstmal einen Stadtplan, anders geht es ja auch nicht. Eine Unterkunft hatten wir auch nicht. Also, wie immer: Einfach mal drauf los! Nach 30 Minuten Fussmarsch mit 18 Kg auf dem Rücken, entschied ich mich in eine Gasse zu gehen. Anne war erst skeptisch, aber dann kamen wir tatsächlich zu einer Unterkunfts-Anlage. Hier waren ausschliesslich asiatische Urlauber und Reisende. Wir checkten ein und liefen auch mal wieder los, schnell noch den tausendsten Tempel abfotografieren. Es war heiss und wir stellten fest, hier gab es nicht einen einzigen Backpacker. Wir waren alleine und alle starrten uns an. Die Blicke waren ernst. Ich lächelte dann einfach irgendwann und das Lächeln wurde erwidert. Alle unseren bisherigen Städte lagen an ringelförmigen Flüssen. Das Muster kam immer wieder. Das Gute ist, du hast immer einen Orientierungspunkt. Lampang war weitläufig, aber keine Großstadt in dem Sinne. Wir waren schnell draussen, wo es nur noch grün war. Hunde bellten uns an und einer wollte uns nicht durch den Eingang der Tempelanlage lassen. Gott, was sind wir gelaufen. Wir waren durch. Immer kommt ein Tuk Tuk, diesmal waren sie verschollen. Wir sind das ganze Stück zurück in Richtung Stadt, quer durch und zu unserer Unterkunft, die am anderen Ende der Stadt lag, gelaufen. Das war unser Tag. Naja fast, wir hatten noch Besuch von einer kleinen Spinne die von der Decke auf Anne`s Kopfkissen sprang und 2 Fröschen. Einer war bereits da. Er saß auf dem Fernsehtisch. Ich verdichtete den Türschlitz mit einem Handtuch. Plötzlich kam eine weitere kleine Kröte hervor. Wir zogen dann noch am selben Abend ein Stockwerk höher.

Sukhothai

Am nächsten morgen ging es weiter. Wieder zum Busbahnhof, allerdings ohne Tuk Tuk, wir kannten ja den Weg. Wir holten uns ein Ticket für die Weiterfahrt nach Sukhothai. Wir fuhren 4 Stunden und waren gegen 13:30 vor Ort. Wieder in ein Tuk Tuk. Der alte Fahrer umwarb uns förmlich. Das Tuk Tuk fiel fast auseinander. Überall Rost und Löcher. Die Kiste wurde quasi nur durch 2 Kabel am Leben gehalten. Am Hostel angekommen, stellten wir fest, dass dort eine Art Markt war. Allerdings wirkte es, als sei hier seit Jahren nichts mehr los. Überall waren alte Planen. Und das ist es, was uns so an den Thailändern fasziniert. Sie schaffen innerhalb kürzester Zeit eine völlig neue und lebhafte Location. Am Morgen war hier nämlich ein lebhafter Markt mit den buntesten Verköstigungen. Am Nachmittag, sah alles wieder aus wie vorher. Genauso ist es mit den Nachtmärkten. Es gibt Flächen die komplett leer sind und am Abend sind dort Restaurants aufgebaut. Eine logistische Meisterleistung wie ich finde. Sie haben nicht viel und sind deshalb wahnsinnig einfallsreich, was für uns auf den ersten Blick nicht immer einfach nachvollziehbar ist. Schön ist, dass man alles sehen kann. Überall Wannen, in denen das Geschirr gespült wird, Gasflaschen die zum Kochen benötigt werden und überall diese frischen Zutaten. Es sieht alles nicht immer schön aus, aber das Essen ist immer auf den Punkt. Auch wieder so eine faszinierende Sache. Jeder scheint ein Gastronom zu sein. Überall Essen, Essen, Essen.

Am nächsten Tag machten wir dann einen Ausflug in die 15 km entfernte alte Hauptstadt Sukhothai, die teils nur aus Ruinen besteht und an ein Wohlstand und Machtmonopol aus vergangenen Tagen erinnert. Wir haben uns ein Fahrrad für die alte Stadt gemietet. Es war beeindruckend, sehr sogar. Wie immer machte uns die morgendliche Hitze zu schaffen und so suchten wir oft ein schattiges Plätzchen. Die Bauten hatte ich für älter gehalten. Für mich sahen sie 2000 Jahre alt aus. Aber das waren sie nicht, sie stammen aus dem 14. Jahrhundert. Ich/wir können es wirklich jedem empfehlen, der einmal hierher kommt. Eine wirklich beeindruckende Anlage. So beeindruckend, dass Anne und ich uns aus den Augen verloren hatten. Ich suchte sie und sie suchte mich. Nach 1,5 Stunden fanden wir uns dann endlich wieder. Happy End mit Schreck.

Zwischendurch wechselten wir das Hostel, da es in dem ersten leider zu stickig war. Wir suchten uns eine neue Bleibe, weiter ausserhalb der Stadt, was aber wiederum näher am Busbahnhof war. Wir blieben nur zwei Nächte, da wir weiter nach Bangkok wollten, um von dort aus einen Nachtbus in den ersehnten Süden zu bekommen. Am Busbahnhof sagte man uns dann, dass für den nächsten Tag alle Busse nach Bangkok ausgebucht sind. Und was jetzt? Einen Bahnhof gab es nicht. Wir hatten nur eine Chance, wir mussten nach Phitsanulok, um von dort aus direkt einen Bus oder Zug zu erwischen. Phitsanulok war ein Ort nebenan, der auch einen Busbahnhof inne hatte und auch Fahrten nach Bangkok anbot. Eine Stunde dauerte die Fahrt nach Phitsanulok, die wir uns mit Einheimischen und einem Mönch teilten. Mönche haben im übrigen immer separate Sitze, da diese nicht in Berührung mit einer Frau kommen dürfen, was keineswegs bedeutet, dass diese sich nicht unterhalten dürfen. Anne hatte sogar das Glück, dass sie ein Buch von einem Mönch geschenkt bekommen hat und das ist wirklich etwas besonders. Die Fahrt verlief reibungslos und wir waren gespannt, ob wir in Phitsanulok noch ein Ticket nach Bangkok bekommen würden, oder wir uns eine neue Bleibe suchen müssten, bis wir schließlich weiter könnten.
Am Ticketschalter kam dann die ernüchternde Antwort: „Bangkok? It´s full.., full  full.“

 

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1 Kommentar

  1. Karsten sagt: Antworten

    Das letzte Bild ist echt super. Könnte das Cover für eine Sendung auf dem Discovery Channel sein. „Ann & Sly in the jungle“ – Mit Rucksack und Machete von Hamburg nach Bangkok

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